INTERVIEW MIT MARIA FLORA MARZO
Doktorin der Weinbaukunde und Önologin
ALUMNI BERICHTEN ÜBER DIE SCHWEIZER SCHULE ROM
Erzähle uns zunächst etwas über dich: Wer bist du und was machst du heute?
MFM_Ich bin Maria Flora und studiere derzeit in Bordeaux, um das Diplôme National d’Œnologue zu erwerben, den Master, der zum nationalen Diplom in französischer Önologie führt. Dank des französischen dualen Ausbildungsprogramms studiere ich und arbeite gleichzeitig: Derzeit bin ich in einem kleinen, aber bedeutenden Weingut in Saint-Émilion tätig, einer der renommiertesten Weinbauregionen der Welt.
Ich kümmere mich um alle Aspekte der Weinproduktion: Ich arbeite im Weinkeller, vor allem während der wichtigen Weinlesezeit, und den Rest des Jahres im Weinberg. Neben dem technischen und praktischen Teil begleite ich auch Besichtigungen und Verkostungen, sowohl mit technischem als auch mit eher touristischem Charakter.
Meine persönliche Mission entstand aus der Entdeckung einer riesigen, immer spannenden und vor allem nie gleichen Welt: Wein verbindet Geschichte und Kultur, Naturwissenschaften, Chemie, sensorische Analyse, Handarbeit, Tourismus, Verkauf und Handel. Es ist auch ein Bereich, in dem der Austausch – und damit die Geselligkeit und die Begegnung zwischen Kulturen – wirklich im Mittelpunkt steht und in dem es unzählige Gelegenheiten gibt, zu reisen und Menschen kennenzulernen.
Wie bist du zur Schweizer Schule Rom gekommen? Was hat dich dazu bewogen, diese Schule zu wählen oder sie von deiner Familie wählen zu lassen?
MFM_Ich bin eher zufällig zur SSR gekommen: Die Entscheidung traf vor allem meine Familie, die die Nähe zu unserem Wohnsitz und den guten Ruf, den sich die Schule in der Nachbarschaft erworben hatte, in Erwägung zog. Zwei Aspekte haben uns jedoch wirklich überzeugt: die Möglichkeit, schon von klein auf mehrere Sprachen zu lernen, und das multikulturelle Umfeld, in dem die Kinder aufwachsen können.
Insbesondere der Ansatz der Zweisprachigkeit von klein auf war entscheidend: Er gab mir eine solide Grundlage, die es mir ermöglichte, auch andere Sprachen leicht zu lernen und vor allem langfristig zu behalten.
Hast du eine für dich besonders bedeutsame Erinnerung oder Anekdote im Zusammenhang mit der Schule, die du mit den LeserInnen teilen möchtest, um ihnen den Ansatz und die Atmosphäre, die man dort erlebt, näher zu bringen?
MFM_Eine sehr bedeutende Erinnerung ist die Schweizerreise zu Beginn der Sekundarschule. Wir waren eine Woche lang mit den neuen Klassen unterwegs, die aus den Gruppen der Primarschule gemischt worden waren: Es war eine besondere Gelegenheit, uns wirklich kennenzulernen und von Anfang an neue Beziehungen aufzubauen.
Für mich war es auch der Moment, in dem wir direkten Kontakt mit der Kultur aufnehmen konnten, die wir schon seit langem verinnerlicht hatten, und in dem wir einen ersten Vorgeschmack auf Unabhängigkeit und Verantwortung bekamen. Es war eine Erfahrung, die uns wachsen liess: Durch das gemeinsame Erleben intensiver Tage, zwischen Neuheiten und kleinen täglichen Herausforderungen, lernten wir, uns aufeinander zu verlassen und als Gruppe zusammenzuarbeiten.
Du hast einen ganz besonderen Beruf gewählt, der dir Beziehungen auf der ganzen Welt ermöglicht. Inwiefern hat die Erziehungsmethode der Schweizer Schule, die Gedankenfreiheit, Unabhängigkeit und Multikulturalität in den Vordergrund stellte, deinen Lebensstil und deine berufliche Vision geprägt?
MFM_Der Ansatz der SSR hat mir geholfen, eine starke Neugier für andere Kulturen zu entwickeln und den Wunsch, meine Komfortzone zu verlassen. Das Aufwachsen in einem multikulturellen Umfeld hat mich offener gemacht und mir eine grosse Anpassungsfähigkeit verliehen, die ich in meinen Erfahrungen auf der ganzen Welt und in der Art und Weise, wie ich mit neuen Kontexten umgehe, wiederfinde.
Darüber hinaus hat mir die Betonung der Gedankenfreiheit und Unabhängigkeit beigebracht, meinen persönlichen und beruflichen Weg selbstständig zu wählen und dem zu folgen, was mich wirklich darstellt.
Und wenn du konkret auf deinen beruflichen Werdegang zurückblickst, welcher Aspekt deiner Ausbildung an der Schweizer Schule Rom war deiner Meinung nach für deinen persönlichen und beruflichen Weg am entscheidendsten? Was aus dieser Erfahrung trägst du noch heute mit dir?
MFM_Die Sprachen sind sicherlich der entscheidende Aspekt meiner Ausbildung und das, wofür ich am dankbarsten bin. Sie haben mir in verschiedenen Phasen meines Werdegangs geholfen und mir Möglichkeiten eröffnet, die sonst vielleicht schwieriger gewesen wären. Vor allem aber haben sie es mir ermöglicht, Beziehungen zu Menschen aus aller Welt zu knüpfen, wodurch der Austausch und die Begegnung mit verschiedenen Kulturen ganz natürlich wurden.
Wenn du jungen Studenten Ratschläge geben könntest, was würdest du ihnen sagen, wie sie ihre Erfahrungen an der Schule am besten nutzen können, um ein bewusstes Leben und eine erfolgreiche Karriere aufzubauen?
MFM_Ich würde sagen: Nehmt das, was ihr aufbaut, nicht als selbstverständlich hin, vor allem nicht im Bereich Sprachen. Drei oder vier Sprachen zu beherrschen ist nicht nur „ein zusätzliches Fach“: Es ist ein Werkzeug, das in jedem Bereich, den ihr wählt, den Unterschied ausmachen kann, auch in Bereichen, die ihr euch heute noch gar nicht vorstellen könnt. Es hilft euch beim Studieren, Arbeiten, Reisen, beim Knüpfen von Beziehungen und dabei, euch in verschiedenen Kontexten wohlzufühlen.
Beschränkt euch dabei nicht auf den „Lehrplan”: Nutzt die Schule, um herauszufinden, wie ihr lernt, was euch wirklich begeistert, und sucht nach konkreten Erfahrungen (Projekte, Austauschprogramme, Aktivitäten), auch wenn sie noch so klein sind, aber kontinuierlich stattfinden. Und vor allem: Baut euch euren eigenen Weg auf, ohne Angst zu haben, bei Bedarf die Richtung zu ändern.
Was wünschst du der Schweizer Schule Rom, damit sie voll und ganz in die Zukunft starten kann?
MFM_Ich wünsche der Schweizer Schule Rom, dass sie weiterhin das pflegt, was sie so besonders macht – kulturelle Offenheit, Disziplin und Aufmerksamkeit für die persönliche Entwicklung – und gleichzeitig innovativ ist, indem sie immer mehr Projekte, Austauschprogramme und Gelegenheiten für Begegnungen mit der Aussenwelt schafft.
Ich hoffe, dass sie ein Ort bleibt, der neugierige, verantwortungsbewusste und unabhängige Menschen hervorbringt, und dass sie die Verbindung zwischen SchülerInnen und ehemaligen SchülerInnen noch weiter stärkt, damit die Gemeinschaft auch über die Schulzeit hinaus weiterlebt.
Für mich ist dieses Gemeinschaftsgefühl real: Einige der Freundschaften, die ich an der SSR geschlossen habe, sind Menschen, die ich als Geschwister betrachte, mit denen ich aufgewachsen bin und mit denen ich mein Leben noch immer eng teile.



































